Fichtenbach (Bystřice / Fuchsova huť)
Kreis: Taus
Kategorie: Gemainde
Jahr des Verschwindens: 1950 - 1960
Grund des Verschwindens: Grenzzone
Beschreibung
Das Gebiet des verschwundenen Ortes, der sich 5 km westlichen von Vollmau befand, gehörte bis 1707 zu Bayern. Es war ein bedeutender Industriestandort des Böhmerwaldes. Im Jahr 1710 gründete Georg Schmaus im Grenzwald eine Glashütte, die von der Familie Schmaus bis 1765 betrieben wurde. Danach übernahm sie die Familie Fuchs. Die Glashütte stellte Glasscheiben und Glasperlen für Rosenkränze her. Für 1793 sind zwei Hütten belegt, die ältere Unterhütte und die jüngere Oberhütte, die rund einen Kilometer voneinander entfernt lagen. Die Oberhütte ist nie voll betrieben worden und wurde noch vor der Unterhütte geschlossen. 1823 kauft die Glashütte Graf Philipp Kinsky. Zur Zeit Kinskys wurde im Tal eine Reihe Schleif- und Polierwerke gebaut, deren Ausstattung vom Wasser der Kalten Pastritz weggespült wurde. Um die Fichtenbacher Untermühle entstand allmählich ein Dorf. 1838 standen hier neben den Glashütten, Schleif- und Polierwerken 25 Häuser, in denen 151 Menschen lebten. 1852 beschäftigte die Glashütte 60 Glasmacher, 34 Holzfäller und 3 Fuhrmänner. Außerdem arbeiteten hier 20 Schleifer, 18 Polierer, 4 Spiegelleger, 1 Facettenmacher und 30 Nachschleifer. Zur Zeit Kinskys wurde hier ein Schlösschen mit einem Garten und Gewächshaus gebaut. In der Nähe stand die Borromäuskapelle (1772 von Anton Fuchs erbaut), außerdem wurden ein Wirtschaftshof und ein Gläsergasthaus gebaut, das in der ganzen Umgebung durch den höchsten Bierabsatz bekannt war.1872 verkauft die Gräfin Elisabeth Kinsky die Fichtenbacher Unterhütte der Bank Kredit Feucier, von ihr erwirbt sie die Firma Kupfer und Glaser, die die Glashütte bis zum Ende der Glasproduktion in der Gegend 1908 betrieb, als die Glashütte nach Kriegern verlegt wurde. Die baufällige Glashütte wurde einige Zeit von Gläsern gemietet, dann kaufte das ganze Gebiet ein Geschäftsmann aus Preußen, der mit Holz handelte und die meisten Glasmacher wechselten zur Waldarbeit. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet Taus zugeschlagen. Zu dieser Zeit waren die Glashütten verlassen und die Wälder ausgerodet. Taus nutze das Schloss für Touristen, die Gastwirtschaft wurde renoviert und erneuert, eine tschechische Schule wurde gegründet. 1930 standen hier 34 Häuser mit 331 Bewohnern, davon waren 221 Deutsche und 97 Tschechoslowaken. Gäste aus Prag kamen hier her zur Sommerfrische. Kleinigkeiten aus Glas und Souvenirs wurden noch bis1934 hergestellt. Im Dezember 1955 und Januar 1956 wurden das Dorf und die Glashütten, die in der Grenzzone lagen, abgerissen. Aus dem Schloss der Kinskys wurde nach 1945 ein Kompaniestützpunkt der Grenzwache. Heute stehen an dieser Stelle die verlassene Grenzwache, die Ruine der tschechischen Schule und die Fundamente der Gläsereigebäude und einiger Häuser. Die Wälder um den ehemaligen Ort gehören der Stadt Taus, sie werden von der Firma Städtische Wälder Taus bewirtschaftet. Die Naturlandschaft hier ist wunderschön. Das Leben in Fichtenbach zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschreibt Jan Vrba in seinem Roman Zapomenuté údolí (dt. Vergessene Täler), den er 1925/1926 verfasste. Am Ende des Romans schreibt J. Vrba: „Immer mehr zieht das Tschechische hier her. Die Deutschen werden weise. Sie verstehen, dass sie von der tschechischen Stadt mehr erwarten können, wenn sie die gleiche Sprache sprechen wie ihre Herren. In etwa zehn Jahren kann das Vergessene Tal tschechisiert werden. Hoffentlich werden die Menschen hier dann ein leichteres Leben haben, aber Not leiden werden sie auf Tschechisch, genauso wie auf Deutsch.“
Quelle
- Chytilův místopis ČSR (2., aktualisierte Ausgabe aus dem Jahr 1929), herausgegeben von: Alois Chytil (Böhmen, Mähren, Schlesien, Slowakei, Karpaten)
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Zdeněk Procházka, Putování po zaniklých místech Českého lesa - I. Domažlicko
Lage
Breite N(Y)° 49.35489 Länge E(X)° 12.80683 (GPS)